CáDiz - März 2016


"Einige alte Schulfreunde treffen sich zum allweihnachtlichen Wiedersehenstrunk - Drei beschließen, eine Vierte im Auslandssemester in Spanien zu besuchen - und buchen."

Geburtsstunde unserer Reise

KURZINFO:

Ort(e): Cádiz, Rota, Sevilla

Reisezeitraum: März, 1 Woche

Fortbewegungsmittel: Flugzeug, Zug, Fähre, Füße

Budget: ca. 400€ (inkl. Flug 200€)

Impressionen hier

 

Im März waren wir dann ganz froh, dem kalten Wetter in Deutschland entfliehen zu können und flogen von Stuttgart über Palma de Mallorca nach Jerez de la Frontera, einem winzigen Flughafen in Süd-Spanien. Von dort ging es mit einem ziemlich preiswerten Zug (renfe, 6€, ca. 30 Minuten Fahrt) nach Cádiz. Die Altstadt der auf einer Halbinsel gelegen Stadt besticht augenblicklich durch ihre Schönheit. Wie wir später in einer Stadttour erfahren, wurden die meisten Gebäude und Mauern vor mehreren hundert Jahren aus vom Meeresgrund abgetragenem hellem Tuffstein errichtet. Dies gibt der Stadt diese leuchtende, helle Atmosphäre.

Nach der langen Reise gönnten wir uns unsere ersten spanischen Tapas bei 100 Montaditos, welches, wie wir später erfahren haben, allerdings wie Spaniens McDonalds ist...da können wir uns auf jeden Fall noch steigern. Von unserer Freundin abgeholt konnten wir bei einem Rundgang weitere tolle Eindrücke der Stadt erleben und diesmal in einem richtigen Tapas-Restaurant- La Isleta de Vina- das echte Spanien schmecken. Unter Einheimischen ist das Isleta zwar sicher kein Geheimtipp mehr, aber für alle Reisenden nur zu empfehlen! Klein, kreativ, sympathisch, lecker, preiswert! Unbedingt die spanischen Tortillas probieren- fantastisch! Dazu trinkt man hier ein Gläschen "Tinto de Verano" - ein Mix aus Rotwein und casera, einer Mischung aus Zitronenlimonade und Tonic Water.

 

Wir hatten das Glück, in direkter Näher der Cathedrale zu wohnen und die ganze Altstadt ist fußläufig erreichbar, was, wie ich finde, immer der beste Weg ist, eine Stadt kennenzulernen und zu erleben. Nur ein paar Straßen weiter befindet sich der Mercado Central de Abastos, auf dem man tagtäglich frische Köstlichkeiten von Obst, Gemüse über Fleisch und Fisch bis hin zu Käse bekommen kann. Und das Obst dort haut einen echt aus den Socken wenn man aus dem deutschen Winter angereist kommt! Die erste Erdbeere in diesem Jahr hat eine Geschmacksexplosion bei mir ausgelöst, so intensiv und authentisch war dieses süße Früchtchen!

Die Verständigung auf Englisch gestaltet sich bei der älteren Bevölkerung als etwas schwierig, deshalb habe ich es mit ein paar Brocken Italienisch versucht, was auch meistens ganz gut funktioniert hat...nur einmal hätten wir fast drei Kilo Orangen anstatt drei Stück bekommen ;)

An einem Tag haben wir uns bei einer interessanten Free WalkingTour die Stadt mit ein paar Hintergrundinformationen zeigen lassen und sind im Anschluss mit den Guides auch wieder im Isleta gelandet, welches immer wieder zentraler Treffpunkt zu sein scheint. Die zweistündige Tour ist auf jeden Fall empfehlenswert, da man sehr leicht mit Einheimischen in unserem Alter in Kontakt kommt, man interssante und teils kuriose Geschichten über eine Stadt erfährt und die Guides sich anstrengen und richtig unterhaltsame Stunden aus einer Stadtführung machen, da sie im Endeffekt auf das Trinkgeld der Gruppe angewiesen sind.

Anschließend sind wir für ein paar Euros auf den Turm der Cathedrale gestiegen um einen schönen Blick auf die ganze Stadt zu genießen. Wir waren nun ganz nah an der faszinierend gelb-goldenen Kuppel, die vor hunderten Jahren in dieser Farbe bemalt wurde um durch die reflektierende Sonne allen Seefahrern als eine Art Leuchtturm zu dienen.

Nur eine Sache blieb für uns alle ein Rätsel: warum sind so viele Dachterassen in demselben Rot angestrichen?

Die Kultur eines Landes drückt sich auch immer in der Kleidung aus, weshalb man auch durchaus mal einen Blick in die Läden abseits der typischen Shoppingstraßen mit H&M und co. werfen sollte. Mein persönlicher Lieblingsladen war Naëlle in der ---Straße. Sehr klein, sehr süß, sehr individuell. Die Kleidungsstücke waren immer nur in doppelter Ausführung präsentiert und wirkten als seien sie liebevoll selbstgemacht. Hier geht es eindeutig nicht um den Massenkonsum sondern um die Wertschätzung der besonderen Dinge.

 

Nach viel Stadt anschauen und shoppen darf auch ein Tag am Strand nicht fehlen. Obwohl es auch in Cádiz tolle Strände gibt, z.B. La Caleta, fuhren wir mit einer Fähre auf's Festland nach Rota um nochmal etwas anderes in der Gegend zu sehen. In diesem süßen verschlafenen Örtchen fanden wir ein Lokal zum Frühstücken. Typisch für Andalusien scheint "pan con aceite" (Brot mit Olivenöl) zu sein, das man dann je nach Wunsch z.B. mit Tomatenscheiben und einem parmesanartigen Käse belegt und Olivenöl darüber träufelt.  Wenn man sich erst einmal an den sehr würzigen Käse gewöhnt hat ist dies eine schmackhafte und simple Alternative zu einem "normalen" Frühstück. 

Den restliche Tag verbrachten wir an einem der endlosen Strände, an dem wir auch noch weit und breit die Einzigen waren. Wir haben uns sogar einmal in den Atlantik getraut, was zwar im März noch kalt, aber trotzdem eine lustige Erfahrug war.

Es sei allerdings eine Warnung ausgesprochen- bitte trotz scheinbar schwacher Sonne im März schon Sonnencreme verwenden...das kann sonst böse enden ;)

Da Cádiz recht klein und ziemlich schnell zu erkunden ist, wollten wir auch noch zwei Tage in Sevilla verbringen. Wir konnten glücklicherweise bei einer Bekannten unterkommen, weshalb ich leider keine Übernachtungsempfehlungen geben kann, aber die Stadt ist definitiv einen (auch längeren) Besuch wert!

Im Real Alcazar, dem mittelalterlichen Königspalast von Sevilla, kann man gut und gerne einige Stunden verbringen. Die filigranen, teilweise bunten Elemente des Baustils versetzen einen von einem Raum in den anderen ins Staunen und Grübeln, was für eine enorme Arbeit hinter dieser ganzen Schönheit stecken muss...

Auch in den wunderschön angelegten weitläufigen Gärten des Palasts lässt es sich gut verweilen.

Wir hatten Glück, dass wir nicht allzu lange anstehen mussten, in der Hochsaison kann sich die Schlange jedoch wohl auch mal bis zur Cathedrale ziehen. Für Studenten zwischen 17 und 25 Jahren ist der ganze Palast für 2€ zu bestaunen, alle anderen müssen 9,50€ berappen.

Leider ist es im März auch in Spanien noch manchmal regnerisch, was sich aber im Endeffekt als positiv herausgestellt hat als wir den Plaza de España, einen der bekanntesten Plätze in Sevilla, anschauen wollten. Normalerweise sei er mit Touristen nur so überfüllt, doch dank des Regens - der inzwischen schon wieder der Sonne gewichen war - hatten wir fast den ganzen Platz für uns. Ihn umgibt ein halbkreisförmiges Gebäude, welches eine Umarmung der südamerikanischen Kolonien durch Spanien sympolisieren soll. An den Außenwänden des Gebäudes befinden sich Kachelornamente mit Landkarten und historischen Begebenheiten, die die 48 spanischen Provinzen in alphabetischer Reihenfolge darstellen. Die Plaza de España wurde im Zuge der iberoamerikanischen Ausstellung 1928 gebaut. Wenn man sich in der näheren Umgebung umschaut enteckt man noch viele weitere, jedoch weitaus kleinere Bauwerke anderer Länder.

Diejenigen, die sich aufgrund eines gewissen Bildes hier vielleicht schon gefragt haben, ob ich wohl dem Ku Klux Klan beigetreten sei- hier kommt die Entwarnung und Erklärung: unser Reisezeitraum fiel zufälligerweise auf die Semana Santa, die heilige Woche vor Ostern. Diese wird in Spanien mit unzähligen Umzügen und Festivitäten gefeiert. Um bei den Prozessionen mitlaufen zu dürfen, muss man sich einen Platz erkaufen und kann dann im Büßergewand (=Ku Klux Klan-artiges Kostüm) daran teilnehmen. Je nach Schwere der Sünde kann man sich die selbst auferlegte Buße vergrößern indem man die Strecke barfuß oder gar mit schweren Ketten an den Füßen zurücklegt. Die Gewänder sind aber harmloser als sie aussehen - eigentlich dienen sie nur der Anonymität des Bußakts. Die Prozessionen werden meist von mehreren Musikkapellen musikalisch begleitet. Die traditionellen Prozessionen zur Semana Santa in Sevilla sind die berühmtesten und in dieser einen Woche finden dort ca. 60 (!) statt! Wir hatten gar nicht geplant, eine Prozession anzuschauen, doch auf dem Rückweg kamen wir zwangsläufig dazu, da viele Straßen wegen der Umzüge gesperrt waren und wir einen einstündigen Umweg machen mussten, wobei wir natürlich auch auf eine Prozession gestoßen sind. Es ist ein ziemliches Spektakel - irgendwie gruselig und doch fesslnd faszinierend  zugleich

Zu guter Letzt, ein Wort zum Nachtleben in Spanien: spät. Alles ist im Vergleich zu Deutschland um ein bis zwei Stunde nach hinten verschoben. Wenn man essen geht, dann erst um 21 Uhr, im Anschluss eventuell zu Freunden zum Vortrinken, dann in einen Pub, Bar oder House-Party, dann in einen "Vor-Club" und DANN erst, um ca. drei Uhr morgens in den "richtigen" Club...Phew, für mich wäre das auf Dauer nichts...aber deshalb halten die Spanier wohl auch mittags ihre Siesta. ;)

 

Bilder sagen mehr als tausend Wote...

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